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Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand

Verfasst: Donnerstag 17. November 2005, 19:11
von Tirah
Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand



Klappentext:
Man schreibt das Jahr 1780. Große Ideen durchziehen das Land. Mystische Zirkel und Geheimbünde blühen allerorten.
In der fränkischen Grafschaft Alldorf ist es zu merkwürdigen Todesfällen gekommen, und der junge Arzt Nicolai Röschlaub soll bei der Aufklärung helfen. Ist ein bislang unbekanntes Gift im Umlauf? Bahnt sich eine Verschwörung an?
Je tiefer Nicolai dringt, desto unheimlicher wird ihm der Fall. Mit der jungen Frau, die er liebt, flieht er an die äußersten Grenzen des Reiches - und macht eine Entdeckung, die seine Vorstellungskraft sprengt…


Beurteilung:
Trotz der Inhaltsangabe handelt es sich nicht in erster Linie um einen historischen Krimi. Es geht um die politischen Spannungen zwischen Österreich und Preußen und um etliche Geheimbünde. Da werden die Lichtbringer erwähnt, die Rosenkreuzer und Illuminaten, die Jesuiten und Eva von Buttlar.
Bis zur Hälfte etwa ist der Roman spannend geschrieben, dann kommen jedoch die verschiedenen Geheimbünde ins Spiel und es wird unübersichtlich.
Das Ende der Geschichte war nicht schlecht, der Gesamteindruck jedoch ist negativ: zu vieles wird nur angerissen, aber nicht erklärt. Hier hätte ich mir ein Nachwort des Autors gewünscht. Das Buch wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Der Autor empfiehlt übrigens zur Erklärung bei google zu suchen und Heine zu lesen: „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ von Heinrich Heine. Ich lese Romane jedoch zur Unterhaltung und möchte dann nicht auf extra Lektüre zur Erläuterung zurückgreifen müssen!
Gut beschrieben waren jedoch die medizinischen Behandlungsmethoden der damaligen Zeit: Um ein Fieber loszuwerden, muß man abgeschnittene Fingernägel des Patienten in Papier wickeln und das Papier einem Krebs um den Schwanz binden. :frage:
Oftmals war die Behandlung durch Ärzte reine Glückssache - aber vielleicht werden die Ärzte in 200 Jahren das auch kopfschüttelnd von den heutigen Behandlungsmethoden behaupten….


Meine Wertung:
:buchwurm-1:

Kategorie: Philosophie / Krimi / Historisch / 18.Jahrhundert
Hardcover
Droemer-Knaur
448 Seiten
ISBN: 3426633159

Verfasst: Donnerstag 17. November 2005, 19:13
von Tirah
Hier noch mehrere Dinge, die mir aufgefallen sind, als Spoiler (nur lesen, wenn man das Buch kennt oder sich den Spaß verderben will ;) ):
Achtung Spoiler!
* Woran starben der Graf und seine Familie wirklich?
* Was ist die „Heimwehkrankheit“? Handelt es sich um Depressionen?
* was waren das für Verwachsungen, die bei den Leichen gefunden wurden?
*von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ habe ich zuletzt im Philosophieunterricht gehört - das aber liegt schon einige Zeit zurück. Hier hätte ich mir mehr Erläuterungen gewünscht, z.B. in einem Nachwort
*die verschiedenen Geheimbünde werden zwar erwähnt, auf ihre Ziele aber wird nicht eingegangen
*blieb Nicolai tatsächlich unbehelligt von Di Tassi? Wie hat es ihn von Nürnberg nach Hamburg verschlagen?

Gefallen hat mir die Idee, daß ein in Frage stellen von Gott zu einer Veränderung der bekannten Weltordnung führt - tatsächlich brachte ja gerade die Industrialisierung große Umwälzungen mit sich