Alice Sebold: Glück gehabt

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Tirah
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Alice Sebold: Glück gehabt

Beitrag von Tirah »

Alice Sebold: Glück gehabt



Klappentext:
In dem Tunnel, in dem ich vergewaltigt wurde, einem ehemaligen Zugang zu einem Amphitheater, von dem aus die Schauspieler aus dem Dunkel auf die Bühne stürzten, in diesem Tunnel war ein Mädchen ermordet und zerstückelt worden. Die Polizei hat mir davon erzählt. Im Vergleich dazu, sagten sie, hätte ich Glück gehabt

Am 8.Mai 1981, dem letzten Tag des ersten Semesters, wird die Studentin Alice Sebold nachts auf dem Heimweg von einem Unbekannten überfallen und auf brutalste Weise vergewaltigt. Als er sie schließlich gehen läßt, ist ihr altes Leben für immer zu Ende. In den folgenden Monaten und Jahren versucht sie unermüdlich, in die Welt der anderen zurückzukehren, aus der sie durch dieses Ereignis herausgeschleudert wurde. Alice läßt sich von Anfang an nicht auf die Rolle des hilflosen Opfers reduzieren und mit größter Willenskraft gelingt es ihr, das Trauma zu bewältigen. Der Triumph, an dem Erlebten nicht zerbrochen zu sein, wird für sie allerdings stets einen bitteren Beigeschmack behalten, und er ist von vielen Rückschlägen begleitet.


Beurteilung:
Dies ist ein Buch, zu dem man gar nicht viel sagen kann, das einen aber lange nicht losläßt. Alice Sebold erzählt schnörkellos und vielleicht manchmal ein wenig zu langatmig, aber immer berührend.
Die Vergewaltigung ist schlimm und wird hart erzählt. Was danach kommt, ist jedoch schlimmer: Die Blicke der Kommilitonen, das Flüstern der Nachbarn. Und immer die Gewißheit: es wird niemals mehr so, wie es einst war und ein Sieg im Gerichtssaal ist nicht die Lösung aller Probleme.


Meine Wertung:
:buchwurm02:

Originaltitel: Lucky
Übersetzerin: Ursula Walther
Kategorie: Frauen / Biographie
Taschenbuch
Goldmann
350 Seiten
ISBN: 344244960x bzw. 9783442449606
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My recurring fantasy about libraries is that at night, after everyone goes home, the books come to life and mingle in a fabulous cocktail party. (Neal Wyatt)
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Gesior
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Beitrag von Gesior »

Das klingt wie ein Problembuch. Wer es liest, sollte sich damit auseinandersetzen (wollen).
Ob es auch ein Genuss ist? Reines Versinken in ein schönes Buch ist das sicher nicht.
Es werden Aspekte beschreiben, die bei den meisten (glücklicherweise) nicht zum alltäglichen Erfahrungsschatz gehören. Man/frau darf also teilnehmen an unbekannten Erlebnissen und Gefühlen, wenn man/frau will.

(Alles nur geschlossen aus der Beschreibung, die mich zu diesen Gedanken angeregt hat)
Seien Sonne, Wasser und Wind sanft um Euch und die Götter Euch wohlgesonnen!
GESIOR PALARE MIRRO
scolastcus artum arcanum. dominus mysteriorum. magister magicum.

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Tirah
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Beitrag von Tirah »

@Geisor: genau so ist es.
Meist hört man nur von einer Vergewaltigung und vergißt dann das Gehörte schnell wieder. Für das Opfer ist es jedoch nicht so, die Tat begleitet sie ein Leben lang.
Interessant fand ich auch die Szene, in der sie nach der Vergewaltigung an die Uni zurückkomt und man ihr im Flüsterton erzählt, daß vor den Ferien ein Mädchen vergewaltigt worden sei. Sie hört sich das an und sagt dann ganz ruhig "Das Mädchen war ich."
Einiges ist sehr bitter, anderes hat mich wütend gemacht, z.B. das Verhalten der männlichen Polizeibeamten oder der Pfarrer zu Hause, der es praktisch von der Kanzel der ganzen Gemeinde verkündet. Und obwohl das Buch 1981 anfängt, spielt es eine große Rolle, daß sie ein Mädchen aus "gutem Hause" ist, vernünftig gekleidet und gebildet; der Status spielt eine große Rolle.

Das Buch macht sehr nachdenklich und zeigt vor allem die Folgen auf, die eine Vergewaltigung hat. Mit der Verurteilung des Täters ist das Leid nicht zu Ende.

Tirah
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